Andere bösartige Erkrankungen

 

Detaillierte Angaben sowie ein Literaturverzeichnis finden sich im Kapitel 2.9 des FertiPROTEKT-Buches „Fertilitätsprotektion - Indikation und Durchführung fertilitätsprotektiver Massnahmen bei onkologischen und nicht-onkologischen Erkrankungen“, das von Mitgliedern des FertiPROTEKT Netzwerk e.V. erstellt wurde und für Fachpersonen kostenfrei zum Download verfügbar ist.

 

Allgemeines

Die häufigsten bösartigen Erkrankungen werden gesondert auf der Website und in dem oben genannten Buch dargestellt. Unten werden weniger häufige Krankheiten tabellarisch beschrieben. Aufgrund der Vielzahl bösartiger Erkrankungen ist es nicht möglich, alle aufzuführen. Da viele mit einer Bestrahlung einhergehen, werden zunächst allgemein die Effekte einer Beckenbestrahlung auf die Funktion der Keimdrüsen und der Gebärmutter beschrieben. 

 

Effekte einer Bestrahlung auf Eierstöcke und Hoden

Die Wirkung einer Bestrahlung hängt von der Strahlendosis ab, die auf die Eierstöcke oder die Hoden wirkt. Unterschiedliche Dosierungen und deren Effekte sind weiter unten dargestellt.

+ Effekt unterschiedlicher Strahlendosen (gemessen in Gray) bei der Bestrahlung der Eierstöcke


Effekte Strahlendosis
Keine relevanten Effekte 0,6 Gray
Keine relevanten Effekte mit im Alter von unter 40 Jahren 1,5 Gray
Risiko eines kompletten Funktionsverlustes der Eierstöcke (Unfruchtbarkeit): ca. 60% im Alter von 15-40 Jahren 2,5-5 Gray
Unfruchtbarkeit bei Bestrahlung im Alter von 10 Jahren Ab 18 Gray
Unfruchtbarkeit bei Bestrahlung im Alter von 20 Jahren Ab 16 Gray
Unfruchtbarkeit bei Bestrahlung im Alter von 30 Jahren Ab 14 Gray
Unfruchtbarkeit bei Bestrahlung im Alter von 40 Jahren Ab 7 Gray

+ Effekt unterschiedlicher Strahlendosen (gemessen in Gray) bei einer Bestrahlung der Hoden

Effekte Strahlendosis
Lang andauernde Unfruchtbarkeit möglich Ab 2 Gray
Permanente Unfruchtbarkeit möglich Ab 4 Gray

 

Effekte einer Bestrahlung auf die Funktion der Gebärmutter

Hierzu gibt es nur wenige Studien. Folgende Schlussfolgerungen sind aber möglich:

  • Eine Bestrahlung im Kindesalter scheint einen grösseren negativen Effekt auf die Gebärmutter zu haben als eine Bestrahlung im Erwachsenenalter.
  • Eine Bestrahlung der Gebärmutter einer Erwachsenen bei einer Ganzkörperbestrahlung mit 12 Gray geht mit einem erhöhten Risiko für Fehlgeburten, Frühgeburten und einem niedriges Geburtsgewicht einher.
  • Bei einer Bestrahlung der Gebärmutter im Kindesalter mit über 25 Gray und im Erwachsenenalter mit über 45 Gray sollte grundsätzlich von einer Schwangerschaft abgeraten werden.

 

 

Weitere bösartige Erkrankungen

Ewing-Sarkom (Knochenkrebs)

Häufigkeit

Häufigkeit einer Einschränkung der Eierstockfunktion durch die erforderliche Therapie

Risiko für eine Metastasierung in die Eierstöcke

Fertilitätsprotektive Massnahmen

Neuerkrankungen 3/1.000.000 Kinder < 15 Jahre, 2,4/1.000.000 Heranwachsende und junge Erwachsene

über 50%,

insbesondere in Kombination mit einer Strahlentherapie oder einer Knochenmarktransplantation;

Bestrahlung: siehe oben

in Einzelfällen möglich

GnRH-Agonisten,

Kryokonservierung von Eizellen nach Stimulation und Kryokonservierung von Eierstockgewebe

Spermien-Kryokonservierung, ggf. Kryokonservierung von Hodengewebe

 

Osteosarkom (Knochenkrebs)

Häufigkeit

Häufigkeit einer Einschränkung der Eierstockfunktion durch die erforderliche Therapie

Risiko für eine Metastasierung in die Eierstöcke

Fertilitätsprotektive Massnahmen

Neuerkrankungen ca. 2-3/1.000.000 Personen

Gemäss einer Studie wiesen 6 von 90 jungen Frauen nach einer Chemotherapie einen kompletten Funktionsverlust der Eierstöcke auf.

bei Sarkomen in Einzelfällen möglich

GnRH-Agonisten,

Kryokonservierung von Eizellen nach Stimulation und Kryokonservierung von Eierstockgewebe

Spermien-Kryokonservierung, ggf. Kryokonservierung von Hodengewebe

 

Kolorektale Karzinome (Enddarm- und Dickdarmkrebs)

Häufigkeit

Häufigkeit einer Einschränkung der Eierstockfunktion durch die erforderliche Therapie

Risiko für eine Metastasierung in die Eierstöcke

Fertilitätsprotektive Massnahmen

Neuerkrankungen ca. 70/100.000 Personen (30% Enddarm, 70% Dickdarm)

Bei einer Chemotherapie weniger hoch, jedoch hoch, falls eine Strahlentherapie des Beckens erforderlich ist und die Eierstöcke im Bereich der Strahlung/Streustrahlung liegen.

Bestrahlung: siehe oben

Niedrig

Operative Verlagerung der Eierstöcke bei einer Strahlentherapie, falls die Eierstöcke im Strahlenfeld liegen.

GnRH-Agonisten bei Chemotherapie,

Kryokonservierung von Eizellen nach Stimulation und Kryokonservierung von Eierstockgewebe.

Spermien-Kryokonservierung, ggf. Kryokonservierung von Hodengewebe

 

Non-Hodgkin-Lymphom (Lymphdrüsenkrebs, insbesondere sogenannte blastäre und Burkitt-Lymphome)

Häufigkeit

Häufigkeit einer Einschränkung der Eierstockfunktion durch die erforderliche Therapie

Risiko für eine Metastasierung in die Eierstöcke

Fertilitätsprotektive Massnahmen

Neuerkrankungen ca. 5-10/ 100.000 Personen; eher im höheren Alter

je nach Therapie teilweise hoch bis sehr hoch

hoch bei blastären und Burkitt-Lymphomen,

ansonsten moderat

GnRH-Agonisten bei Chemotherapie,

Kryokonservierung von Eizellen nach Stimulation. Eher keine Kryokonservierung von Eierstockgewebe wegen der Möglichkeit von Tumorzellen im Eierstockgewebe.

Spermien-Kryokonservierung, ggf. Kryokonservierung von Hodengewebe

 

Akute lymphatische Leukämie (Akuter Blutkrebs)

Häufigkeit

Häufigkeit einer Einschränkung der Eierstockfunktion durch die erforderliche Therapie

Risiko für eine Metastasierung in die Eierstöcke

Fertilitätsprotektive Massnahmen

Neuerkrankungen ca. 1,1/100.000 Personen, insbesondere junge Menschen

auch ohne Knochenmarktransplantation meist hoch,

bei Knochenmarktransplan-tation sehr hoch

Hoch

GnRH-Agonisten bei Chemotherapie,

Kryokonservierung von Eizellen nach Stimulation meist nicht möglich, da Zeitfenster bis zur Chemotherapie unzureichend. Kryokonservierung von Eierstockgewebe: experimentell.

Falls Kryokonservierung von Eierstockgewebe doch durchgeführt werden soll: Nach der sogenannten Induktions-Chemotherapie und bei einer sogenannten kompletten Remission, wenn dann noch eine ausreichende Eierstockreserve vorliegt.

Spermien-Kryokonservierung, ggf. Kryokonservierung von Hodengewebe

 

Akute myeloische Leukämie (Akuter Blutkrebs)

Häufigkeit

Häufigkeit einer Einschränkung der Eierstockfunktion durch die erforderliche Therapie

Risiko für eine Metastasierung in die Eierstöcke

Fertilitätsprotektive Massnahmen

Neuerkran-kungen ca. 3,5/100.000 Personen, insbesondere ältere Menschen

auch ohne Knochen-marktrans-plantation meist hoch,

bei Knochen-marktrans-plantation sehr hoch

hoch

GnRH-Agonisten bei Chemotherapie,

Kryokonservierung von Eizellen nach Stimulation meist nicht möglich, da Zeitfenster bis zur Chemotherapie unzureichend, Kryokonservierung von Eierstockgewebe: experimentell.

Falls Kryokonservierung von Eierstockgewebe doch durchgeführt werden soll: Nach der sogenannten Induktions-Chemotherapie und bei einer sogenannten kompletten Remission, wenn dann noch eine ausreichende Eierstockreserve vorliegt.

Spermien-Kryokonservierung, ggf. Kryokonservierung von Hodengewebe.

 

Hodenkarzinom (Hodenkrebs)

Häufigkeit

Häufigkeit einer Einschränkung der Hodenfunktion durch die erforderliche Therapie

Fertilitätsprotektive Massnahmen

Neuerkrankungen ca. 9/100.000 Männer

Nach einer Chemo- und/oder Strahlentherapie versuchten 207 Männer, ein Kind zu zeugen: 77% erfolgreich, 5% nach Sterilitätsbehandlung, 18% erfolglos.

Kryokonservierung von Spermien oder im Einzelfall von Hodengewebe;

bei Knaben vor der Pubertät ggf. Kryokonservierung von Hodengewebe als experimentelle Spezialtechnik