Endometriumkarzinom (Gebärmutterschleimhautkrebs)

 

Detaillierte Angaben sowie ein Literaturverzeichnis finden sich im Kapitel 2.5 des FertiPROTEKT-Buches „Indikation und Durchführung fertilitätsprotektiver Massnahmen bei onkologischen und nicht-onkologischen Erkrankungen“, das von Mitgliedern des FertiPROTEKT Netzwerk e.V. erstellt wurde und für Fachpersonen kostenfrei zum Download verfügbar ist.

Prognose der Erkrankung

Die endometriale Hyperplasie ist eine Veränderung der Gebärmutterschleimhaut, die unbehandelt beim Fehlen von Atypien (d.h. Veränderung der Zellkerne) in ca. 1-3% der Fälle und bei Atypien in ca. 30% der Fälle zu einem Endometriumkarzinom führt.

Das Typ I-Karzinom ist östrogen-abhängig und hat die typischen, auch im Zusammenhang mit einem unerfülltem Kinderwunsch häufig vorkommenden, Risikofaktoren. 3-14% der Frauen mit einem Endometriumkarzinom sind unter 40 Jahre alt. Typischerweise findet sich bei diesen jungen Frauen ein endometrioides Endometriumkarzinom mit niedrigem Tumorstadium und guter Heilungschance.

 

Problematik der Fertilitätserhaltung (Fruchtbarkeitserhaltung) durch die Therapie

Eine Schädigung der Eierstöcke aufgrund einer Chemotherapie, wie bei anderen Krebserkrankungen, ist nicht gegeben. Entweder werden Gestagene (Gelbkörperhormone) angewendet, die nicht zu einer Schädigung der Eierstöcke führen, oder es erfolgt eine Gebärmutterentfernung zusammen mit der Entfernung der Eierstöcke und Eileiter.

Endometriale Hyperplasie

Der therapeutische Standard bei der endometrialen Hyperplasie ist eine Gelbkörperhormontherapie mit Kontrollen der Gebärmutterhöhle durch Gebärmutterspiegelungen (Hysteroskopien) und –ausschabungen (Curettagen) zur feingeweblichen Untersuchung der Gebärmutterschleimhaut. Der Kinderwunsch sollte zeitnah realisiert werden. Nach Abschluss des Kinderwunsches sollte die Entfernung der Gebärmutter erwogen werden.

Endometriumkarzinom

Beim Endometriumkarzinom werden standardmässig die Gebärmutterentfernung zusammen mit der Entfernung der Eierstöcke und Eileiter durchgeführt. Bei den Karzinomen vom Typ I, FIGO 1a, G2 ist dies eine Therapie mit einer sehr guten Prognose. Bei höheren Stadien ist zusätzlich eine Entfernung der lokalen Lymphknoten angezeigt.

Daten zur Möglichkeit und zu den Risiken einer fertilitätserhaltenden Therapie beim frühen Endometriumkarzinom liegen nur in geringem Umfang vor. Der Fertilitätserhalt mit einem Erhalt der Eierstöcke und der Gebärmutter kann in Einzelfällen bei jüngeren Frauen bei Diagnose eines gut differenzierten Typ I, FIGO 1a Endometriumkarzinom (minimale Tumorausdehnung), erwogen werden. Begleitend wird eine hochdosierte Hormontherapie mit Gestagenen über mindestens 6-9 Monate empfohlen.

Aufgrund noch fehlender Daten zum einheitlichen Vorgehen ist der Fertilitätserhalt beim Endometriumkarzinom jedoch eine Einzelfallentscheidung.

Aktuell gilt, wenn der Erhalt der Gebärmutter erwogen werden kann (abhängig von der Ausdehnung des Tumors):

  • Aufklärung über erhöhtes Rezidivrisiko,
  • Aufgrund des Verzichts der Gebärmutterentfernung besteht ein Risiko der inadäquaten Stadieneinteilung,
  • vollständiges Abtragen des Tumors (Ausschabung!)
  • Hochdosis-Hormontherapie über mindestens 6-12 Monate
  • Nachsorge alle 3 Monate mit Gebärmutterspiegelungen und Gewebeprobe
  • möglichst geringe Zeit bis zum Schwangerschaftseintritt nach Absetzen der Hormontherapie
  • vollständige Heilung liegt je nach Studie bei 50-84%.

 

Praktische Vorgehensweise, falls eine fertilitätsprotektive Massnahme erwogen wird

Das Risiko eines späteren Eierstockkarzinoms muss beim Erhalt der Eierstöcke berücksichtigt werden. Es beträgt aber vermutlich weniger als 1% bei einem Frühkarzinom. Nach Erfüllung des Kinderwunsches sollte eine stadienangepasste Therapie, zumeist in Form der Komplettierungsoperation, erfolgen.