Hodgkin-Lymphom

Detaillierte Angaben sowie ein Literaturverzeichnis finden sich im Kapitel 2.9 des FertiPROTEKT-Buches „Fertilitätsprotektion - Indikation und Durchführung fertilitätsprotektiver Massnahmen bei onkologischen und nicht-onkologischen Erkrankungen“, das von Mitgliedern des FertiPROTEKT Netzwerk e.V. erstellt wurde und für Fachpersonen kostenfrei zum Download verfügbar ist.

 

Prognose

Jährlich treten 2-3 Neuerkrankungen pro 100.000 Personen auf, wobei etwas häufiger Männer im Verhältnis 3:2 betroffen sind. In Deutschland wurden im Jahr 2010 insgesamt 2200 Neuerkrankungen erfasst. Häufig erkranken junge Menschen.

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Hodgkin-Lymphom von einer unheilbaren Erkrankung zu einer der am besten behandelbaren bösartigen Erkrankungen im Erwachsenenalter mit überragenden 5-Jahres-Überlebensraten entwickelt.

+ Überlebensraten bei Frauen und Männern in Abhängigkeit vom Alter bei der Diagnosestellung


Alter bei der Erstdiagnose (Jahre) 5-Jahres- Überlebensrate 15-Jahres-Überlebensrate
18-29 96% 94%
30-39 95% 91%
40-49 93% 87%

 

Schädigung der Eierstöcke und Hoden durch die Chemotherapie und/oder Bestrahlung

 

Die beim Hodgkin-Lymphom eingesetzten Chemotherapien haben eine unterschiedliche Wirkung auf die Keimdrüsen. So hat die intensivere sogenannte BEACOPPeskaliert-Therapie eine höhere toxische Wirkung als das ABVD-Schema. Auch wissen wir, dass der schädigende Effekt bei älteren Frauen grösser ist, da sie ohnehin schon weniger Eizellen als jüngere Frauen aufweisen.

+ Anteil der Frauen, die nach einer Chemotherapie noch einen regulären Menstruationszyklus hatten - in Abhängigkeit vom Alter und der verabreichten Chemotherapie

Alter Zeitpunkt der Beurteilung 2x ABVD 2x ABVD plus 2x BEACOPP eskaliert 6x BEACOPP eskaliert
18-29 Jahre direkt nach der Chemotherapie 94% 100% 88%
zum Zeitpunkt der Befragung (Durchschnitt: 46 Monate nach Therapie) 88% 95% 81%
30-45 Jahre direkt nach der Chemotherapie 97% 90% 55%
zum Zeitpunkt der Befragung (Durchschnitt: 46 Monate nach Therapie) 95% 75% 40%

Bei Männern wirkt sich eine Chemotherapie v.a. auf die Spermienbildung aus. Die Auswirkungen der Therapie auf die Testosteronproduktion fallen hingegen gering aus. Eine Bestrahlung der Hoden ist auch schon in minimalen Dosen sehr schädigend. Eine Bestrahlung der Hodenregion ist jedoch nur selten erforderlich.

 

Risiko für eine Metastasierung in die Keimdrüsen

In mehreren Studien wurde systematisch versucht, in eingefrorenem Eierstockgewebe Tumorzellen nachzuweisen. Insgesamt finden sich selbst bei höhergradigen Tumorstadien fast nie Hinweise für Hodgkin-Lymphomzellen im Eierstockgewebe. Das Hodgkin-Lymphom wird als eine Erkrankung mit einem geringen Risiko für eine Metastasierung klassifiziert.

 

Risiken einer Fertilitätsprotektion

Fertilitätsprotektive Massnahmen sind bei einem Hodgkin-Lymphom in der Regel nur mit geringen Risiken verbunden. So sind die Tumorzellen nicht hormonabhängig und die verfügbare Zeit zur Durchführung aller Massnahmen meist lang genug. Auch das Risiko von Lymphomzellen in den Keimdrüsen ist gering.

 

Praktische Vorgehensweise

Grundsätzlich sollten die Patienten möglichst früh in einem reproduktionsmedizinischen Zentrum vorgestellt werden, um ein grosses Zeitfenster für die Durchführung der fertilitätsprotektiven Massnahmen zu haben. Eine Vorstellung kann auch bereits vor der Festlegung der Chemotherapie erfolgen.

 

Grob orientierende Darstellung zur Vorgehensweise bei der Durchführung fertilitätsprotektiver Massnahmen bei Frauen mit einem Hodgkin-Lymphom (POI = kompletter Funktionsverlust der Eierstöcke). Männern sollte grundsätzlich und unabhängig vom Alter und dem Chemotherapieschema zum Einfrieren von Spermien geraten werden, da dies einfach ist.