Kryokonservierung von Spermien und Hodengewebe

Detaillierte Angaben sowie ein Literaturverzeichnis finden sich im Kapitel 3.3 des FertiPROTEKT-Buches „Indikation und Durchführung fertilitätsprotektiver Massnahmen bei onkologischen und nicht-onkologischen Erkrankungen“, das von Mitgliedern des FertiPROTEKT Netzwerk e.V. erstellt wurde und für Fachpersonen kostenfrei zum Download verfügbar ist.

Funktionsprinzip

Männliche Keimzellen (Spermien) können vor einer Chemo- oder Strahlentherapie kryokonserviert (eingefroren) werden und im Fall eines Funktionsverlustes der männlichen Keimdrüsen (Hoden) verwendet werden, um ein eigenes Kind zu zeugen.

Die Kryokonservierung von Spermien ist ein komplexes, aber gut beherrschbares Verfahren und ermöglicht, dass ca. 50% der Spermien die Kryokonservierung überleben. Da in einem Ejakulat im Mittel etwa 250 Millionen Spermien vorhanden sind, reichen die überlebenden Spermien üblicherweise aus, um später damit Eizellen zu befruchten. Die Technik der Kryokonservierung ist bereits mehrere Jahrzehnte alt und in allen IVF- sowie andrologischen Zentren (Männerheilkunde) etabliert. Sollten im Ejakulat keine Spermien vorhanden sein (man spricht dann von Azoospermie), kann auch Hodengewebe eingefroren werden.

 

Wirksamkeit

Bei Anwendung der Methoden der assistierten Reproduktionsmedizin (IVF oder ICSI) ist die Schwangerschaftsrate nach Verwendung kryokonservierter (ansonsten unauffälliger) Spermien nicht niedriger als bei Verwendung nicht eingefrorener Spermien.

 

Risiken

Mit dem präventiven Therapieangebot der Kryokonservierung von Spermien sind für den Patienten keine Risiken verbunden. Bei der Entnahme von Hodengewebe handelt es sich um eine operative Massnahme, die in spezialisierten Zentren durchgeführt werden muss und mit einem minimalen operativen Risiko verbunden ist. Möglicherweise muss aufgrund der Intervention die Einleitung der onkologischen Therapie um einige Tage verschoben werden.

 

Kosten

Die Kosten der Kryokonservierung setzen sich aus den klinischen Beratungs- und Behandlungskosten, den reinen Laborkosten der Kryokonservierung und dafür erforderlichen Technologie sowie den Kosten für die Lagerung eines langfristig angelegten Depots zusammen und können zwischen den Institutionen variieren.

  • Kryokonservierung (Einfrieren und Lagerung für 1 Jahr): ca. 500 Euro
  • Lagerung für jedes weitere Jahr: ca. 300 Euro

 

Vorgehensweise

Für die Kryokonservierung von Spermien müssen in einem Zentrum ein bis mehrere Spermaproben abgegeben werden. Die Kryokonservierung und Lagerung der Spermien ist ein komplexes Verfahren und stellt hohe Anforderungen an die Verantwortung und Zuverlässigkeit des Laborpersonals. In Deutschland ist für diejenigen Labore, die eine Kryokonservierung von Spermien durchführen, eine Genehmigung nach AMG § 20b und für die spätere Verwendung die Erlaubnis nach § 20c AMG erforderlich. Ein maximal drei Monate alter HIV- und Hepatitis-Test müssen ebenfalls vorliegen.

Die Hodengewebeentnahme zur testikulären Spermienextraktion (TESE) erfolgt nach Eröffnung der Skrotalhaut und Freilegung der Hoden beidseits in lokaler oder Allgemeinanästhesie nach entsprechender präoperativer Aufklärung des Patienten. Optimal ist die Entnahme in mikrochirurgischer bzw. mikroskopisch assistierter Technik (Mikro-TESE, mTESE), alternativ multilokulär aus verschiedenen Arealen des Hodens (Standard-TESE), wobei grundsätzlich auf eine Erhaltung der Hodendurchblutung und eine genaue Blutungskontrolle während des Eingriffes zu achten ist. Diese Behandlung sollte in spezialisierten Zentren erfolgen.