Kryokonservierung von Eizellen

 

Detaillierte Angaben sowie ein Literaturverzeichnis finden sich im Kapitel 3.2 des FertiPROTEKT-Buches „Indikation und Durchführung fertilitätsprotektiver Massnahmen bei onkologischen und nicht-onkologischen Erkrankungen“, das von Mitgliedern des FertiPROTEKT Netzwerk e.V. erstellt wurde und für Fachpersonen kostenfrei zum Download verfügbar ist.

 

Funktionsprinzip

Vor einer Chemo- und/oder Strahlentherapie können Eizellen, entweder befruchtet oder unbefruchtet, eingefroren (kryokonserviert) werden. Die Kryokonservierung von unbefruchteten Oozyten oder befruchteten Eizellen nach einer In vitro-Fertilisation (IVF) und/oder Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) sind etablierte reproduktionsmedizinische Techniken, die auch zum Zwecke der Fruchtbarkeitserhaltung bei Patientinnen vor einer zytotoxischen Therapie angewendet werden können.

Dabei können zwei verschiedene Verfahren zum Einsatz kommen, das sogenannte Slow Freezing-Verfahren (langsames Einfrieren) und die Vitrifikation, ein ultraschnelles Einfrierverfahren.

 

Eizellgewinnung

Damit genügend Oozyten (unfertilisiert und/oder fertilisiert) kryokonserviert werden können, bedarf es einer ovariellen Stimulation, die zu jedem Zeitpunkt im Zyklus starten kann sowie eines Zeitfensters von ca. zwei Wochen. Im Durchschnitt können vor zytotoxischen Therapien ca. 13 Oozyten gewonnen werden. Die Anzahl gewonnener Zellen nimmt jedoch im Alter über 35 Jahren deutlich ab. Eine detaillierte Darstellung der Stimulationstechniken, deren Effektivität, Risiken, und Kosten findet sich hier.

 

Kryokonservierung von Eizellen

+ Im Pronukleusstadium (befruchtete Eizellen)

Im Gegensatz zur Kryokonservierung von unfertilisierten Oozyten, stellt die Kryokonservierung von fertilisierten Oozyten mit 2 Vorkernen (Pronukleusstadium), d.h. einen Tag nach der Eizellgewinnung, eine schon über lange Zeit erfolgreiche Methode dar und ist ein wesentlicher Bestandteil von assistierten reproduktionsmedizinischen Techniken. Die hohe gesicherte Auftaurate von 73 bis 95 % sowie eine Schwangerschaftsrate von 20 bis 32 % nach Kryokonservierung und Auftauen sind dabei wohl auf das Fehlen des Spindelapparats nach Beendung der Reifeteilung zurückzuführen. Die Kryokonservierung kann sowohl im Slow freezing-Verfahren, welches durch ein einfaches und gut reproduzierbares Handling durch die Verwendung eines automatischen Einfrierprogramms charakterisiert ist, als auch im Rahmen der Vitrifikation vorgenommen werden.

+ Kryokonservierung von unbefruchteten Eizellen

Nachdem es über zwei Jahrzehnte nicht gelungen war, das Einfrieren von unbefruchteten Eizellen als klinische Anwendung zu etablieren, brachte die Methode der Vitrifikation den erhofften Durchbruch. Sowohl die Leitlinien der US-amerikanischen Fachgesellschaften für Reproduktionsmedizin (ASRM) als auch der europäischen Fachgesellschaft (ESHRE) beschreiben keinerlei Vorbehalte gegenüber dieser Methode, da weder eine erhöhte Rate von chromosomalen Störungen (Störungen des Erbmaterials) noch von Fehlbildungen oder Entwicklungsdefiziten bisher bekannt wurde.

Zu beachten ist jedoch, dass im Altersbereich von 25 bis 42 Jahren mit zunehmendem Alter die Befruchtungsrate kontinuierlich abnimmt und eine Kryokonservierung von unfertilisierten Oozyten im Alter von unter 35 Jahren erfolgen sollte, da auch die Zahl der punktierten Eizellen, aufgrund der altersbedingten Reduktion die Eierstockreserve sinkt.

Werden die unfertilisierten Oozyten später im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung aufgetaut, ist – da vor der Kryokonservierung zur Beurteilung der Reife die Kumuluszellen (umgebende "Hüllzellen") entfernt wurden – eine konventionelle in vitro-Fertilisation (IVF) nicht mehr möglich. Zur Fertilisierung wird daher, auch bei einem unauffälligen Spermiogramm, eine intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) angewendet.

Fazit für die Praxis

Die Einführung neuer Stimulationsprotokolle und die Etablierung der Vitrifikation ermöglichen es, innerhalb von ca. 2 Wochen Eizellen zu gewinnen, die sowohl unfertilisiert als auch fertilisiert kryokonserviert werden können. Da selbst bei festen Partnerschaften empfohlen wird, zumindest einen Teil der Eizellen unbefruchtet zu konservieren, ist die Vitrifikation eine unabdingbare Vorrausetzung bei der Durchführung fertilitätskonservierender Techniken.