Ovarielle Stimulation zur Gewinnung von Eizellen

Detaillierte Angaben sowie ein Literaturverzeichnis finden sich im Kapitel 3.1 des FertiPROTEKT-Buches „Indikation und Durchführung fertilitätsprotektiver Massnahmen bei onkologischen und nicht-onkologischen Erkrankungen“, das von Mitgliedern des FertiPROTEKT Netzwerk e.V. erstellt wurde und für Fachpersonen kostenfrei zum Download verfügbar ist.

Hintergrund

Ziel der Eizellreifungsbehandlung (Stimulation) ist die Gewinnung von reifen Eizellen, die befruchtet oder unbefruchtet eingefroren werden können. Im Rahmen einer notwendigen Behandlung der Grunderkrankung sollte die Behandlung so schnell wie möglich erfolgen. Oft ist zeitlich nur ein Versuch möglich, der so optimal wie möglich verlaufen sollte, um die maximal mögliche Anzahl an reifen Eizellen ohne erhöhte Risiken zu erhalten.

Wichtig ist dabei, dass befruchtete Eizellen später nur nach Zustimmung des Partners übertragen werden können. Da die Lagerung der Zellen jedoch mehrere Jahre betragen kann, muss in Erwägung gezogen werden, dass die Paarbeziehung dann nicht mehr besteht und die befruchteten Eizellen daher nicht mehr übertragen werden können. Um dieses Risiko zu umgehen, wird selbst bei einer festen Partnerschaft oft zu einem „Splitting“ (50% befruchtet, 50% unbefruchtet einfrieren) geraten, um die Unabhängigkeit der Frau zu gewährleisten.

Die zum Zeitpunkt der Periodenblutung gestartete Stimulationsbehandlung ist ein Routineverfahren.

 

Wirksamkeit

Die Anzahl der zu gewinnenden Eizellen ist abhängig vom Alter und der Eierstockreserve der Frau und muss durch den Arzt individuell abgeschätzt werden. Die mittlere Eizellzahl beträgt gemäss dem FertiPROTEKT-Register ca. 12 Eizellen bei Frauen, die jünger als 36 Jahre alt sind und 8 Eizellen bei 36-40 jährigen. Das Einfrieren unbefruchteter Eizellen weist nur etwas geringere Befruchtungsraten oder Schwangerschaftsraten auf als das Einfrieren befruchteter Eizellen.

 

Kosten

Die Kosten der Eizellgewinnung sind je nach Zentrum leicht unterschiedlich und setzen sich ungefähr wie folgt zusammen:

  • Medikamentenkosten (abhängig von der erforderlichen Dosis & Dauer der Behandlung): ca. 1500,- bis 2000,- Euro
  • Stimulationsverfahren (Ultraschallkontrolle, Eizellentnahme): ca. 1000,- bis 1500,- Euro
  • Einfrieren und Lagerung für 1 Jahr: ca. 400,- bis 800,- Euro

Sollte das Paar verheiratet sein, kann (in Deutschland) kurzfristig ein Krankenkassenantrag ausgestellt werden, so dass die Kosten ganz oder anteilig (je nach Versicherungsstatus) übernommen werden.

 

Vorgehensweise

Allgemeines

Um eine Eizellgewinnung zu ermöglichen, muss die Eizellreifung durch Hormone angeregt werden. Hierfür werden Spritzen verwendet, die sich die Frau für 10-12 Tage nach Anleitung selbst verabreichen kann. Um den unerwünschten vorzeitigen Eisprung zu verhindern, kommt im Verlauf dieser Behandlung eine zweite Spritze hinzu, so dass täglich 2 Spritzen für ca. 5 Tage verabreicht werden. Die Dosierung wird eventuell nach den regelmässigen Ultraschallkontrollen angepasst, die meist 2-3x (ca. alle 2-3 Tage) erfolgen.

 

Besonderheiten bei hormonabhängigen Tumoren

Eine Besonderheit stellt die Situation bei Frauen mit hormonrezeptorpositiven Tumoren, z.B. dem hormonrezeptorpositiven Mammakarzinom, dar, weil bei der Eizellreifung die Hormonproduktion angeregt wird, was theoretisch zum Tumorwachstum beitragen könnte. Um den Anstieg der Östrogenkonzentrationen im Rahmen der Behandlung zu reduzieren, wird in solchen Fällen die Zugabe von speziellen Medikamenten empfohlen, welche die Östrogenbildung hemmen. Da diese sogenannten Aromatasehemmer für die Stimulation der Eierstöcke keine Zulassung besitzen, erfolgt die Behandlung „off-label“ (also Rezept zu Selbstkosten). Bisherige Studien konnten keine erhöhten Fehlbildungsraten so entstandener Kinder aufzeigen.

 

Kombination von Eizellentnahme mit der Entnahme von Eierstockgewebe

Bei Therapien, welche die Eierstockfunktion mit hoher Wahrscheinlichkeit schädigen, kann die Eizellentnahme mit der Entnahme von Eierstockgewebe kombiniert werden. Dabei sollte zuerst ein halber Eierstock während einer Bauchspiegelung entnommen und die Eizellstimulation zwei Tage später gestartet werden. Die Daten über eine derartige Kombination der Verfahren weisen keine erhöhte Komplikationsrate auf. Auch die Zahl der gewonnenen Eizellen ist scheinbar nicht reduziert. Der zeitliche Aufwand für das kombinierte Vorgehen beträgt ca. 2,5 Wochen.