Transposition der Eierstöcke

Detaillierte Angaben sowie ein Literaturverzeichnis finden sich im Kapitel 3.6 des FertiPROTEKT-Buches „Indikation und Durchführung fertilitätsprotektiver Massnahmen bei onkologischen und nicht-onkologischen Erkrankungen“, das von Mitgliedern des FertiPROTEKT Netzwerk e.V. erstellt wurde und für Fachpersonen kostenfrei zum Download verfügbar ist.

Funktionsprinzip

Ziel einer Verlagerung der Eierstöcke (Transposition der Ovarien) ist deren Funktionserhalt trotz einer geplanten Strahlen­therapie. Dabei werden einerseits die Erhaltung der Hormonproduktion und andererseits die Möglichkeit einer Schwangerschaft nach Abschluss der onkologischen Therapie angestrebt.

Die Auswirkungen einer Bestrahlung auf die Eierstockfunktion können erheblich sein. Da sie neben der Dosis wesentlich vom Abstand der Eierstöcke zum Bestrahlungsfeld bestimmt werden, ist eine Transposition dann sinnvoll, wenn eine gezielte Bestrahlung (keine Ganzkörperbestrahlung!) im Bereich des Beckens geplant ist.

Das Ausmaß einer Schädigung der Eierstöcke durch eine Bestrahlung lässt sich durch eine Bestimmung des Anti-Müller-Hormons (AMH) gut einschätzen. Ob eine beidseitige oder einseitige Verlagerung erfolgt, wird individuell entschieden und hängt vor allem von der zu erwartenden Schädigung ab. 

Wirksamkeit

Die Ergebnisse einer Eierstockverlagerung vor einer Bestrahlung sind von verschiedenen Faktoren abhängig und schwierig einzuordnen. In einer grossen Übersichtsstudie wird eine Erfolgsrate (= erhaltene Eierstockfunktion) von durchschnittlich 80% angegeben. Die Ergebnisse der einzelnen Studien variieren aber zwischen 17% und 95%. Einflussfaktor auf die Wirksamkeit ist neben dem Alter der Patientin die zusätzliche Durchführung einer Chemotherapie.

Die ausreichend hohe Lage der Eierstöcke nach der operativen Verlagerung ist entscheidend, da bei einem Abstand von 10 cm zum Bestrahlungsfeld nur noch ca. 10% der Strahlendosis wirken. Wichtig ist eine genaue Abstimmung des Operateurs mit dem Strahlentherapeuten vor der geplanten Transposition.

Insgesamt ist von einer hohen Wirksamkeit der Eierstocktransposition auf die Erhaltung der Eierstockfunktion auszugehen. Andererseits sind Schwangerschaften nach einer Bestrahlung nicht sehr häufig. Dies hat unterschiedliche Ursachen, wie eine Änderung der Lebensplanung nach Genesung oder den Verzicht auf eine häufig notwendige künstliche Befruchtung. Auch eine Bestrahlung der Gebärmutter kann die Schwangerschaftschancen reduzieren.

Risiken

Die operativen Risiken einer Eierstockverlagerung sind als gering einzustufen. Zumeist ist der Eingriff über eine Bauchspiegelung möglich. Die Bildung von bösartigen Tochtergeschwülsten in den verlagerten Eierstöcken ist insgesamt selten und hängt von der jeweiligen Erkrankung ab.

Kosten

Die Kosten einer alleinigen Eierstockverlagerung entsprechen denen einer Bauchspiegelung unter Vollnarkose und werden von den Krankenkassen oft nicht übernommen. Erfolgt der Eingriff im Rahmen anderer Operationen wie z.B. einer Lymphknotenentfernung, entstehen in der Regel keine zusätzlichen Kosten.