Entnahme und Transplantation von Eierstockgewebe

 

Detaillierte Angaben sowie ein Literaturverzeichnis finden sich im Kapitel 3.3 des FertiPROTEKT-Buches „Indikation und Durchführung fertilitätsprotektiver Massnahmen bei onkologischen und nicht-onkologischen Erkrankungen“, das von Mitgliedern des FertiPROTEKT Netzwerk e.V. erstellt wurde und für Fachpersonen kostenfrei zum Download verfügbar ist.

Funktionsprinzip

Eierstockgewebe kann vor einer Chemo- oder Strahlentherapie entnommen, kryokonserviert (eingefroren) und im Falle eines Funktionsverlustes der Eierstöcke später transplantiert werden, um die Fruchtbarkeit wieder herzustellen.

Da die kryokonservierte Gewebemenge nicht gross ist, sind die Transplantate bisher oft nur einige Jahre aktiv. Deswegen dient die Transplantation auch nicht der Wiederherstellung einer langjährigen Eierstockfunktion, die eine ggf. erforderliche Hormonersatztherapie ersetzen würde, sondern nur der zeitlich begrenzten Wiederaufnahme einer Eibläschenbildung, um eine Schwangerschaft zu erzielen.

Grundsätzlich gilt, dass die Chancen für eine Schwangerschaft steigen, desto höher die Eierstockreserve, d.h. die Eibläschendichte im eingefrorenen und transplantierten Eierstockgewebe, ist. Deswegen eignet sich die Kryokonservierung von Eierstockgewebe ideal für jüngere Frauen oder sogar für Kinder. Als Altersobergrenze empfiehlt FertiPROTEKT 35 Jahre, wobei diese Grenze im Einzelfall in Abhängigkeit von der Eierstockreserve auch bei ca. 38 Jahren liegen kann.

 

Wirksamkeit

Die Datenlage zur Beurteilung der Wirksamkeit ist noch begrenzt. Gemäss der zwei weltweit grössten Fallserien aus Dänemark und des Netzwerkes FertiPROTEKT mit Transplantationen bei über 100 Frauen bis zum Jahr 2015 lag die Geburtenrate bei ca. 25-30%.

 

Risiken

Die Entnahme und Transplantation von Eierstockgewebe erfordern eine Bauchspiegelung in Vollnarkose. Das Operationsrisiko ist aber sehr gering.

Grundsätzlich besteht das Risiko, dass sich Tumorzellen im Eierstock befinden, die kryokonserviert und später wieder mit transplantiert werden. Das Risiko wurde für verschiedene Erkrankungen abgeschätzt. Im Kapitel Kapitel 3.3 des FertiPROTEKT-Buches finden sich detaillierte Angaben zum Risiko. Zusätzlich wird bei der Entnahme des Gewebes ein kleines Teilstück feingeweblich untersucht.

 

Kosten

Die Kosten der Entnahme und Transplantation von Eierstockgewebe sind je nach Klinik und Operationstechnik unterschiedlich und setzen sich wie folgt zusammen:

  • Entnahme des Gewebes (als ambulante Bauchspiegelung): ca. 1000 - 1500 Euro
  • Kryokonservierung (Einfrieren und Lagerung für 1 Jahr): ca. 400 - 800 Euro
  • Transplantation von Eierstockgewebe: ca. 1000 - mehrere Tausend Euro.

Die Kosten für die Entnahme von Eierstockgewebe und die Transplantation werden in manchen Fällen von den Krankenkassen übernommen. Die Lagerung des Gewebes muss immer selbst bezahlt werden.

 

Vorgehensweise

Für die Entnahme des Eierstockgewebes erfolgt eine Bauchspiegelung in Vollnarkose, die ca. ½ Stunde dauert. Entnommen wird ca. die Hälfte eines Eierstockes (Abbildung), so dass durch die Operation die Fruchtbarkeit nicht eingeschränkt wird. Von dem Gewebe wird eine kleine Probe feingeweblich untersucht, um Tumorzellen weitgehend auszuschliessen.

Das Gewebe wird in dem entnehmenden Zentrum eingefroren oder in eines der zentralen Kryobänke von FertiPROTEKT in Bonn, Erlangen, Bern oder Innsbruck transportiert, dort aufbereitet und eingefroren.

Sollte das Gewebe später transplantiert werden, erfolgt dies wieder per Bauchspiegelung. Das Gewebe wird in die Beckenwand oder in/auf den Eierstock transplantiert (siehe Abbildung links). Bis das Gewebe Eibläschen bildet, vergehen mindestens 3 Monate. Eine Schwangerschaft kann dann auf natürlichem Weg oder per künstlicher Befruchtung eintreten.