GnRH-Agonisten und kombinierte hormonelle Kontrazeptiva
(„Antibaby-Pillen“)

Detaillierte Angaben sowie ein Literaturverzeichnis finden sich im Kapitel 3.5 des FertiPROTEKT-Buches „Indikation und Durchführung fertilitätsprotektiver Massnahmen bei onkologischen und nicht-onkologischen Erkrankungen“, das von Mitgliedern des FertiPROTEKT Netzwerk e.V. erstellt wurde und für Fachpersonen kostenfrei zum Download verfügbar ist.

Funktionsprinzip

GnRH-Agonisten (GnRHa) sind Medikamente, die vorübergehend die Ausschüttung der Hormone LH und FSH durch die Hirnanhangsdrüse verhindern, welche normalerweise die Eizellreifung und Hormonproduktion in den Eierstöcken anregen. Die  Ausschaltung der Hormonbildung in den Eierstöcken soll die Empfindlichkeit des Eierstockgewebes gegenüber einer Chemotherapie und damit die Wahrscheinlichkeit einer Schädigung reduzieren. Die Anwendung von GnRHa wird seit langem kritisch diskutiert. Gründe dafür sind der noch nicht definitiv bewiesene schützende Effekt und die – allerdings ebenfalls unbewiesene – Vermutung, dass die Senkung der Hormonbildung in den Eierstöcken bei hormonabhängigen Tumoren (z.B. manchen Brustkrebsformen) auch die erwünschte Wirkung der Chemotherapie auf Tumorzellen verringern könnte.

GnRHa werden in der Regel als 1- oder 3-Monats-Depot ca. eine Woche vor der Chemotherapie subkutan gespritzt. Die Gabe wird dann so oft wiederholt, dass die Wirkung während der Dauer der Chemotherapie anhält.

Die „Antibaby-Pillen“ finden in den weiteren Ausführungen hier keine Berücksichtigung, da es zu ihnen keine größeren aktuellen Studien gibt, welche die fertilitätsprotektive Wirksamkeit in ausreichendem Umfang und Qualität überprüft haben.

 

Wirksamkeit

Die meisten Zusammenfassungen der Studien seit 2011 zeigen, dass sich durch GnRHa die Wahrscheinlichkeit einer dauerhaft erloschenen Eierstockfunktion nach der Chemotherapie deutlich senken lässt.

Einige Studien beschreiben nach Therapieabschluss außerdem zusätzlich eine höhere Schwangerschaftsrate bei Frauen, die parallel einen GnRHa erhielten.

 

Risiken

Grundsätzlich können GnRHa zu Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen etc. führen. Der bei einer Anwendung > 6 Monate mögliche denkbare Verlust der Knochendichte spielt normalerweise keine Rolle, weil die Chemotherapie diese Zeitdauer in aller Regel nicht überschreitet.

Für die oben bereits genannte Vermutung, dass GnRHa bei Hormonrezeptor-positiven Tumoren theoretisch die Wirksamkeit einer Chemotherapie beeinträchtigen könnten, existieren aktuell keine Beweise.

 

Kosten

Die Kosten für den über einen Monat wirkenden GnRHa liegen bei ca. 180€, bei einer z.B. über 6 Monate laufenden Chemotherapie insgesamt bei 6x ca. 180€. Die Kosten werden von den Krankenkassen nur in Ausnahmen übernommen.

 

Vorgehensweise

Der GnRHa wird erstmals ca. eine Woche vor der Chemotherapie subkutan gespritzt. Das Medikament wird im Verlauf wiederholt gegeben, damit seine Wirkung ca. 1-2 Wochen über das Ende der letzten Chemotherapie hinaus anhält.

Muss bei hoher Dringlichkeit die Chemotherapie bereits in weniger als einer Woche beginnen, kann man die Wirkung des GnRHa durch die zusätzliche kurzzeitige Anwendung eines verwandten Wirkstoffes (sogenannter GnRH-Antagonist) unterstützen. Die Chemotherapie kann dann z.B. bereits am Folgetag der ersten Anwendung beginnen.